
Laut Analysten von Chainstory nutzen fragwürdige Projekte Pressemitteilungsdienste, um den Anschein von Legitimität zu erwecken.
Forscher untersuchten 2.893 Inhalte, die zwischen Juni und November 2025 veröffentlicht wurden. Dabei stellte sich heraus, dass über 60 % der Veröffentlichungen Plattformen mit „klassischen Warnsignalen“ bewarben:
- anonymes Team;
- übertriebene Versprechungen;
- Vorlagenseiten;
- aggressives Marketing.
Einige davon entpuppten sich als regelrechte Betrügereien, die bereits auf schwarzen Listen stehen.
Experten betonen, dass auf Kryptowährungen spezialisierte Pressedienste oft eine Platzierung auf Dutzenden von Websites mit minimaler Moderation garantieren. Solche bezahlten Veröffentlichungen erscheinen neben echten Nachrichten, manchmal ohne klare Kennzeichnung, wodurch die Möglichkeit, Werbung von redaktionellen Inhalten zu unterscheiden, immer geringer wird.
„Wenn Sie auf einer Nachrichtenseite auf eine Pressemitteilung zu Kryptowährungen stoßen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das dahinterstehende Projekt eine geringe Glaubwürdigkeit (oder noch schlimmer) besitzt, größer als 50/50“, stellten die Forscher fest.
Die überwiegende Mehrheit der untersuchten 700 Pressemitteilungen entpuppte sich als Werbung für kleinere Aktualisierungen, Token-Verkäufe oder Börsennotierungen.
Nur etwa 2 % der Materialien enthielten wirklich wichtige Informationen, wie zum Beispiel Venture-Capital-Runden oder Fusionen und Übernahmen.
So imitieren zweifelhafte Projekte eine allgegenwärtige Präsenz in den Medien.
Die Illusion der Legitimität
Forscher sehen die Wurzel des Problems im Geschäftsmodell von Content-Distributoren. Projekte mit Anzeichen von Betrug – anonyme DeFi-Systeme, „kostenloses“ Cloud-Mining oder aggressive Token-Verkäufe – passieren die redaktionellen Filter seriöser Medien nicht.
Ihre Lösung sind kostenpflichtige Krypto-Pressedienste, die unbestätigte Meldungen auf Partnerseiten veröffentlichen.
Das Schema funktioniert folgendermaßen:
- Um die Aufmerksamkeit von Journalisten zu erregen, bezahlen Projekte für die automatische Veröffentlichung. Es findet keine Faktenprüfung statt;
- Links zu bekannten Quellen (z. B. Yahoo Finance) werden von Anlegern als „Qualitätssiegel“ genutzt. Dadurch entsteht ein falsches Vertrauensgefühl;
- Die Texte sind gespickt mit Trendbegriffen (KI, Web3, RWA), um das Image eines innovativen Startups zu erzeugen.
Beispielsweise veröffentlichten die Projekte InfinityStakeChain und FlexyStakes im Jahr 2024 Pressemitteilungen über solche Dienste, in denen sie die Einwerbung von 12 Millionen US-Dollar von Binance sowie Partnerschaften mit Polygon und Fantom bekannt gaben. Diese Meldungen erschienen auf Yahoo Finance und regionalen Nachrichtenportalen.
Eine Untersuchung von Bloomberg ergab, dass alle Behauptungen falsch waren, und die betroffenen Unternehmen bestritten jegliche Verbindung zu den Startups. Vor den Enthüllungen wurden die Veröffentlichungen jedoch erfolgreich genutzt, um Gelder von ahnungslosen Anlegern einzuwerben.
Auch große Marktteilnehmer wenden ähnliche Taktiken an. Börsen veröffentlichen regelmäßig Pressemitteilungen zu jedem neuen Listing und erwecken so den Eindruck ständiger Aktivität, wodurch die Grenze zwischen Berichterstattung und Werbung verwischt wird.
„Der Hauptmechanismus der Krypto-Pressemitteilungsbranche besteht darin, auf den Erfolg anderer aufzuspringen. Indem sie Inhalte über Syndikationsnetzwerke verbreiten, umgehen die Herausgeber den redaktionellen Filter der ‚Nachrichtenrelevanz‘ und verlassen sich stattdessen auf den Ruf der Verbreitungsplattform“, heißt es in der Studie.
Zur Erinnerung: Im Januar verzeichneten die Analysten von CoinGecko eine Rekord-„Sterblichkeit“ von Token im Jahr 2025.
