
QCP Capital musste einen weiteren Rückschlag im Kryptomarkt hinnehmen: Bitcoin fiel zu Beginn der asiatischen Handelssitzung unter 65.000 US-Dollar, was zur Liquidation von Long-Positionen im Wert von rund 230 Millionen US-Dollar führte. Auslöser war Trumps Entscheidung, die geplanten globalen Zölle von 10 % auf 15 % zu erhöhen – unmittelbar nachdem der Oberste Gerichtshof seine „Liberation Day“-Zölle für ungültig erklärt hatte.
Bitcoin /US-Dollar-Kursdiagramm (1-Tages-Chart). Quelle: Bitstamp
Bergleute unter Druck
Die anhaltende makroökonomische Unsicherheit belastet den Mining-Sektor. Bitcoin liegt weiterhin deutlich unter den geschätzten durchschnittlichen Mining-Kosten von rund 87.000 US-Dollar, was die Margen schmälert und die Betreiber zwingt, der Liquidität Vorrang vor der Akkumulation einzuräumen. Am Wochenende gab die Bitdeer Technologies Group bekannt, ihre Bitcoin-Reserven vollständig liquidiert zu haben. Dieser Schritt folgt auf eine zuvor angekündigte Aktienemission und die Ausgabe von Wandelanleihen. Miner reduzieren aktiv ihr Krypto-Engagement, um ihre Liquidität zu sichern und gleichzeitig verstärkt auf KI zu setzen.
Es ist nicht so beängstigend, wie es scheint.
Trotz der schwachen Kursdynamik und eines erneuten Anstiegs der Suchanfragen „Bitcoin ist tot“ – auf ein Niveau, das seit dem FTX-Crash nicht mehr erreicht wurde – ist der Ausblick nicht übermäßig pessimistisch. Nach mehreren aggressiven Verkäufen in diesem Jahr haben die Volatilitätsspitzen und die Intensität der Liquidationskaskaden merklich nachgelassen. Selbst nach Trumps jüngster Ankündigung von Zöllen stürzte der Spotpreis nicht ab – wie zuvor –, sondern sank zum Beginn der asiatischen Handelssitzung sanft ab. Diese veränderte Marktreaktion ist bemerkenswert.
Der Optionsmarkt zeigt weiterhin eine deutliche Tendenz zur Absicherung gegen Kursverluste – die Volatilität ist klar auf Put-Optionen ausgerichtet –, doch das Ungleichgewicht ist merklich weniger ausgeprägt als Mitte des Monats, als Bitcoin auf einem ähnlichen Niveau notierte. Die Positionierung wird klarer, und panikartige Absicherungen lassen etwas nach. Diejenigen, die auf dem aktuellen Niveau im Markt bleiben, scheinen widerstandsfähiger und weniger geneigt, Risiken aggressiv zu reduzieren – es sei denn, sie werden durch Margin Calls oder betriebliche Notwendigkeiten dazu gezwungen, wie es bei einigen Minern der Fall ist.
ETF: Keine Katastrophe
Die Nettoabflüsse aus Bitcoin-ETFs beliefen sich letzte Woche auf rund 316 Millionen US-Dollar – eine beträchtliche Summe, aber keineswegs eine Kapitulation und deutlich geringer als die Abhebungswelle zu Monatsbeginn. Die Struktur dieser Kapitalflüsse ist ebenfalls wichtig: Ein erheblicher Teil davon hängt mit der Dynamik der Kapitaleffizienz zusammen, d. h. mit der Auflösung zugrunde liegender Positionen angesichts sinkender Renditen, und nicht mit einem strukturellen Rückgang der institutionellen Nachfrage.
Ein aufschlussreiches Beispiel ist die Nachricht, dass Brevan Howard seine Position im IBIT-ETF deutlich reduziert, aber einen erheblichen Teil dieses Engagements in Derivate umgeschichtet hat, um die Bilanznutzung zu optimieren. Dies spiegelt sich im IBIT-Optionsmarkt wider, der gemessen am offenen Interesse weiterhin zu den zehn größten US-Optionsinstrumenten zählt: Die Positionierung entwickelt sich weiter, sie verschwindet nicht.
Horizont
Bitcoin steuert auf den fünften Verlustmonat in Folge zu – das zweite Mal in der jüngeren Geschichte. Dies deutet wahrscheinlich eher auf das Ende des aktuellen Abwärtstrends als auf den Beginn eines neuen hin. Kurzfristige positive Faktoren sind die Verabschiedung des Clarity Act und die für diese Woche geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran. QCP Capital betont jedoch, dass Bitcoin sich nachhaltig über 74.000 US-Dollar konsolidieren muss, um den Weg für eine umfassende Erholung zu ebnen.
Monatliche Bitcoin-Rendite. Quelle: CoinGlass
Fünf Monate des Abwärtstrends bedeuten per Definition weder das Ende eines Zyklus noch dessen Beginn. Der Markt ähnelt nun einem System unter Druck: Jeder neue Schock wird mit etwas geringerer Intensität absorbiert. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Wochen, zu beobachten, ob sich dieser Trend beim nächsten Stressereignis fortsetzt.
Meinung der KI
Der historische Kontext verleiht der aktuellen Situation eine subtile Nuance. Fünf aufeinanderfolgende rote Monatskerzen markieren den zweitlängsten ununterbrochenen Kursrückgang in der Geschichte von Bitcoin. Der Rekord liegt im Zeitraum von August 2018 bis Januar 2019 – sechs Monate ununterbrochenen Rückgangs. Damals folgte auf den Tiefpunkt eine scharfe Umkehr. Doch ein leicht zu übersehendes Detail ist bemerkenswert: Das Bitcoin /Gold-Paar fällt seit sieben Monaten in Folge, was auf eine anhaltende Verlagerung der Anlegerpräferenzen hin zu sicheren Anlagen hindeutet. Anders ausgedrückt: Der Druck auf Bitcoin ist nicht nur spekulativ, sondern auch strukturell bedingt – der Markt überdenkt seine Rolle in Portfolios angesichts geopolitischer Turbulenzen. Die Analogie zu 2018/19 ist zwar ermutigend, doch damals war der Druck primär kryptospezifisch und weniger makroökonomisch bedingt. Die entscheidende Frage lautet: Kann das historische Marktgedächtnis in einer Situation, in der sich die externen Variablen grundlegend verändert haben, noch Bestand haben?
