
Das Pentagon hat einen Ersatz für Claude gefunden – Elon Musks Grok. xAI hat mit dem US-Verteidigungsministerium eine Vereinbarung unterzeichnet, die seinem Modell Zugang zu geheimen Militärsystemen gewährt, wie Ministeriumsbeamte gegenüber Axios erklärten.
Bislang war Claude von Anthropic das einzige für den Einsatz in geheimdienstlichen Systemen – also solchen, in denen Geheimdienstanalyse betrieben, Waffen entwickelt und Kampfeinsätze geleitet werden – zugelassene KI-Modell. Doch irgendetwas ging schief.
Anthropic weigerte sich, nach den Regeln des Pentagons zu spielen.
Das Militär forderte von Anthropic, Claude „für alle rechtmäßigen Zwecke“ zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen weigerte sich – und zog dabei nicht nur eine leere Grenze, sondern legte auch fundamentale rote Linien fest: die Massenüberwachung amerikanischer Bürger und die Entwicklung vollautonomer Waffensysteme. Anthropic lehnte diese Bedingungen ab.
xAI hingegen stimmte dem Standard „alle legitimen Zwecke“ ohne Einwände zu. Dies bildete die Grundlage der Vereinbarung, deren Unterzeichnung zuerst von der New York Times gemeldet und später von Axios bestätigt wurde. xAI lehnte eine Stellungnahme ab.
Ultimatum an Dario Amodei
Verteidigungsminister Pete Hegseth empfing den CEO von Anthropic, Dario Amodei, im Pentagon. Quellen, die mit der Situation vertraut sind, beschrieben das Treffen, gelinde gesagt, als äußerst angespannt. Hegseth stellte Amodei im Grunde vor die Wahl: Entweder alle Beschränkungen aufheben oder als „Lieferkettenrisiko“ eingestuft werden. Das klingt nach einer bürokratischen Bezeichnung, hat aber in der Praxis schwerwiegende Konsequenzen für die Geschäfte des Unternehmens mit dem öffentlichen Sektor.
Das Militär selbst räumt ein, dass ein Ersatz für Claude äußerst schwierig sein wird. Das Modell ist bereits in kritische Prozesse integriert. Ein bezeichnendes Beispiel ist die Operation zur Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, bei der Claude im Rahmen der Partnerschaft von Anthropic mit Palantir eingesetzt wurde. Dies ist der erste bekannte Fall, in dem KI direkt an einer aktiven Militäroperation beteiligt war.
Es hat sich eine Warteschlange gebildet
Während Anthropic an seiner Position festhält, sucht das Pentagon aktiv nach Alternativen. Grok, Google Gemini und ChatGPT sind bereits in nicht klassifizierten militärischen Systemen im Einsatz. Die verschiedenen Teilstreitkräfte haben nun die Verhandlungen beschleunigt, um diese Modelle in das klassifizierte System zu integrieren.
Laut Quellen steht Google kurz vor dem Abschluss einer ähnlichen Vereinbarung für Gemini. Die Situation bei OpenAI ist komplexer: Die Parteien befinden sich zwar in Gesprächen, doch eine endgültige Einigung ist aufgrund zahlreicher technischer und rechtlicher Feinheiten noch in weiter Ferne. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums versicherte jedoch, dass beide Unternehmen letztendlich Vereinbarungen unterzeichnen werden, die allen legitimen Zwecken dienen.
Ob Google und OpenAI diesen Standard akzeptieren würden, ist eine andere Frage. Dies gilt insbesondere für OpenAI: Eine Quelle gab ausdrücklich an, dass unklar sei, ob das Unternehmen solchen Bedingungen zustimmen würde.
Im Endeffekt ist es ganz einfach: xAI erlangte Zugang zum sensibelsten Segment der KI-Systeme des US-Militärs, und Anthropic sah sich der Gefahr ausgesetzt, einen wichtigen Regierungskunden zu verlieren – alles wegen einer grundlegenden Meinungsverschiedenheit darüber, wie seine Technologie eingesetzt werden könnte.
