
Die weitere Kursentwicklung der ersten Kryptowährung wird von Ölpreisen, Anleiherenditen und der Geldpolitik der US-Notenbank abhängen. Nachrichten aus der Kryptoindustrie selbst spielen derzeit eine untergeordnete Rolle, so die Experten von Bitfinex.
Nach den massiven Liquidationen im Februar, als der Bitcoin-Kurs von 79.000 auf 60.000 US-Dollar fiel, ist die Hebelwirkung im Derivatemarkt deutlich zurückgegangen. Bitcoin befindet sich nun in einer Phase der Konsolidierung statt einer Korrekturphase, und seine Kurse werden aktuell maßgeblich von der globalen Liquiditätslage beeinflusst.
Der jüngste Kursanstieg des Vermögenswerts auf 72.000 US-Dollar führte zur Auflösung von Short-Positionen im Wert von über 100 Millionen US-Dollar. Das Gesamtbild hat sich jedoch nicht verändert – der Markt wird weiterhin von externen Faktoren beeinflusst.
Die Auswirkungen von Öl
Die Ölpreise sind innerhalb von nur drei Wochen um 80 % gestiegen und haben kurzzeitig die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten. Die hohen Energiekosten heizen die Inflation an und zwingen die Zentralbanken, Zinssenkungen zu verschieben. Die Kreditbedingungen bleiben angespannt, der Dollar gewinnt an Wert und die freie Liquidität sinkt.
Experten zufolge korreliert die erste Kryptowährung mittlerweile eher mit Technologieaktien als mit defensiven Anlagen. 21Shares merkte an, dass die hohen Energiekosten die historisch niedrigen Ersparnisse der Amerikaner aufzehren. Dies erhöht den Druck auf die US-Wirtschaft und risikoreiche Anlagen.
Marktstabilisierung
Trotz makroökonomischer Bedrohungen findet die Kryptoindustrie ein Gleichgewicht, da große Investoren weiterhin Coins horten und so die Verkäufe von Privatanlegern auffangen.
Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen einen stetigen Kapitalzufluss. Am 9. März beliefen sich die Nettozuflüsse in diese Instrumente auf 167 Millionen US-Dollar, wovon 109 Millionen US-Dollar in den IBIT-Fonds von BlackRock flossen. Experten werteten diese Kapitalflüsse als Frühindikator für die Stimmung institutioneller Anleger.
Die technische Analyse bestätigt die Konsolidierungsphase. Strukturelle Unterstützung liegt bei etwa 60.000 US-Dollar. Die lokale Widerstandszone erstreckt sich von 70.000 bis 72.000 US-Dollar. Ein Durchbruch der Marke von 78.000 US-Dollar könnte eine neue Phase des Aufwärtstrends einleiten.
Wenn die Mittelzuflüsse in ETFs anhalten und das makroökonomische Umfeld neutral bleibt, wird sich der Kurs des Vermögenswerts allmählich über 70.000 US-Dollar stabilisieren. Im Falle einer neuen Inflationswelle aufgrund hoher Ölpreise besteht jedoch das Risiko, dass der Kurs vor dem Beginn einer neuen Rallye wieder auf 60.000 US-Dollar zurückfällt.
Zur Erinnerung: Am 9. März bezeichnete ein Analyst mit dem Pseudonym Darkfost den Anstieg des Ölpreises als einen ungünstigen Faktor für Bitcoin.
