Cipollone identifizierte die Schlüsselbedingung für das Wachstum der europäischen Digitalmärkte.

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Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, erklärte, dass die Entwicklung tokenisierter Finanzmärkte in Europa die Einführung von digitalem Zentralbankgeld als grundlegendes Zahlungsmittel erfordere. Er betonte, dass es ohne ein solches Instrument äußerst schwierig sein werde, die Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit der neuen Branche zu gewährleisten.

Seiner Ansicht nach löst die zunehmende Verbreitung tokenisierter Einlagen und Stablecoins das zentrale Abwicklungsproblem nicht. Ohne Zentralbankgelder erhalten Marktteilnehmer Zahlungen möglicherweise in Vermögenswerten, die Volatilität oder Kreditrisiken unterliegen. Dies untergräbt das Vertrauen und begrenzt das Wachstum der Gesamtliquidität.

Das Eurosystem arbeitet bereits am Projekt Pontes, das die Anbindung von Distributed-Ledger-Plattformen an die TARGET-Infrastruktur zum Ziel hat. Diese Integration ermöglicht die Abwicklung tokenisierter Transaktionen direkt in Zentralbankgeld. Die erste Phase des Projekts soll im dritten Quartal 2026 starten.

Pontes ist Teil der größeren Appia-Initiative, die darauf abzielt, bis 2028 ein einheitliches Modell für ein tokenisiertes Finanzsystem in Europa zu schaffen. Das Programm entwickelt Interoperabilitätsstandards, die den Transfer digitaler Währungen zwischen verschiedenen Plattformen auf Basis einheitlicher Datenformate und Smart Contracts gewährleisten sollen.

Cipollone betonte zudem die Bedeutung der direkten Interaktion zwischen Regierung und Wirtschaft. Er rief Banken, Infrastrukturbetreiber und Technologieunternehmen zur Mitwirkung an der Entwicklung der vorgeschlagenen Lösungen und der Schaffung eines einheitlichen digitalen Ökosystems auf.

Besonderes Augenmerk wird auf die umfassende Regulierung gelegt. Laut dem Beamten entspricht der aktuelle Rechtsrahmen nicht vollständig den technologischen Entwicklungen. Er bezeichnete die Verlängerung des DLT-Pilotprogramms zwar als positiven Schritt, warnte aber davor, dass das Fehlen eines umfassenden Regulierungssystems zu einer systematischen Marktfragmentierung führen könnte.

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