
Jüngste Äußerungen von Vertretern der US-Notenbank lassen vermuten, dass der Prozess der Zinssenkungen möglicherweise zu Ende gegangen ist.
Während die offiziellen Prognosen weiterhin von Zinssenkungen im Laufe des Jahres ausgehen, zeichnen jüngste Äußerungen ein eher unsicheres und ambivalentes Bild hinsichtlich der Richtung der Geldpolitik.
Bis vor Kurzem erwarteten die Märkte vor allem Zinssenkungen. Doch insbesondere die Spannungen mit dem Iran haben zu steigenden Energiepreisen geführt, und die Einführung von Zöllen hat den Inflationsdruck erhöht, was zu einer Kursänderung der US-Notenbank (Fed) hin zu einer lockereren Geldpolitik geführt hat. Lisa Cook, Mitglied des Federal Reserve Board, erklärte, die steigenden Energiepreise hätten das Inflationsrisiko erneut in den Vordergrund gerückt, während Austan Goolsbee, Präsident der Chicagoer Fed, andeutete, dass gegebenenfalls sogar eine Zinserhöhung in Betracht gezogen werden könnte.
Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung weiterhin gering ist, wird die explizite Erwähnung dieser Möglichkeit als bedeutende Veränderung gewertet. Fed-Chef Jerome Powell erklärte in den letzten Sitzungen ebenfalls, dass es keine Anzeichen für eine Zinserhöhung gebe. Die Märkte haben jedoch begonnen, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass der sechsstufige Zinssenkungszyklus, der im September 2024 begann, abgeschlossen sein könnte.
Diese veränderten Erwartungen haben sich auch auf den Anleihenmarkt ausgewirkt. Der Krieg im Iran hat zu einem starken Anstieg der langfristigen Zinsen geführt, was Investoren veranlasst hat, ihre Prognosen für künftige Zinsen nach oben zu korrigieren. Dies hat zu höheren Finanzierungskosten, insbesondere bei Hypothekenzinsen, geführt und belastet Haushalte und Unternehmen unmittelbar.
Ein wichtiger Aspekt des veränderten Kurses innerhalb der Fed ist, dass selbst Mitglieder, die zuvor als eher zurückhaltend oder neutral galten, nun eine vorsichtigere Haltung einnehmen. Christopher Waller, Mitglied des Gouverneursrats, erklärte, er befürworte stabile Zinssätze aufgrund der Auswirkungen der Ereignisse im Nahen Osten auf die Inflation, während Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank von San Francisco, darauf hinwies, dass veröffentlichte Punktprognosen zur Zinsentwicklung irreführend sein könnten.
Verwandte Meldung: Wie ist der aktuelle Stand der Kryptowährungsbesteuerung in der Türkei? Wurde ein Gesetz verabschiedet? Wie geht es weiter?
Die makroökonomischen Daten zeichnen ein gemischtes Bild. Im Februar gingen über 90.000 Arbeitsplätze verloren, und die Arbeitslosenquote stieg auf 4,4 %. Die Inflation liegt jedoch weiterhin über dem Zielwert der US-Notenbank von 2 % und pendelt um die 3 %. Ökonomen gehen davon aus, dass eine Entspannung im Nahen Osten zu einem Rückgang der Ölpreise und einer Rückkehr zum Abwärtstrend der Inflation führen könnte.
Andererseits glauben einige Vertreter der US-Notenbank, dass sich der Leitzins bereits einem neutralen Niveau angenähert haben könnte. Fed-Vizepräsident Philip Jefferson und Thomas Barkin, Präsident der Federal Reserve Bank von Richmond, erklärten, dass die jüngsten Zinssenkungen die Zinsen möglicherweise nicht auf ein Gleichgewicht gebracht hätten, das weder die Inflation dämpft noch das Wachstum fördert. In diesem Fall bestünde bei weiteren Zinssenkungen die Gefahr, die Inflation erneut anzuheizen.
Infolgedessen äußert die US-Notenbank Federal Reserve zunehmend die Ansicht, dass der Zyklus der Zinssenkungen möglicherweise zu Ende gegangen ist.
*Dies ist keine Anlageberatung.
