Michael Saylor: Bitcoin-Protokolländerungen sind gefährlicher als Quantencomputer

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Michael Saylor, Mitbegründer von Strategy, sieht die größte Bedrohung für das Bitcoin-Netzwerk in „ambitionierten Opportunisten“, die das Protokoll verändern wollen. Die Aussage des CEOs des Unternehmens mit den größten Bitcoin-Reserven hat in der Krypto-Community eine hitzige Debatte ausgelöst.

Unterschiedliche Meinungen in der Gemeinde

Der Bitcoin-Maximalist Justin Bechler interpretierte Saylors Worte als Kritik an Entwicklern, die nicht-monetäre Anwendungsfälle für Bitcoin propagieren, wie etwa NFT-Token und blockbasierte Bildplatzierung.

Investor Fred Krueger widersprach Saylors Einschätzung: „Das größte Risiko für Bitcoin ist die Quantentechnologie.“ Mert Mumtaz, CEO des RPC-Node-Anbieters Helius, reagierte noch schärfer: „Das ist absolut toxisches Denken. ‚Ambitionierte Entwickler dieser Technologie stellen unser größtes Risiko dar.‘ Nichts ist perfekt. Natürlich hatte auch Bitcoin, wie jede andere Software, bisher viele Fehler – vielleicht sollten wir diese Fehler einfach bestehen lassen, anstatt sie zu beheben.“

Spam-Angriffe und Verbesserungsvorschläge

Einige Teilnehmer der Diskussion verwiesen auf laufende Spam-Angriffe und den Bitcoin Improvement Proposal 110 (BIP-110), eine temporäre Soft Fork, die darauf abzielt, nicht-monetäre Daten aus dem Bitcoin-Ledger zu filtern.

Saylors Aussage hat die Debatte zwischen Befürwortern des unveränderten Protokolls und Entwicklern, die eine Erweiterung der Bitcoin-Funktionalität fordern, weiter angeheizt. Letztere schlagen vor, quantenresistente Wallet-Adressen und Dateispeicher in die Blockchain zu integrieren.

Quantenbedrohung: Realität oder Panik?

Quantencomputing ist nach wie vor Gegenstand intensiver Debatten in der Bitcoin-Community. Nic Carter, Gründer der Risikokapitalgesellschaft Castle Island, hat wiederholt vor der Notwendigkeit gewarnt, das Protokoll rasch auf Post-Quanten-Standards umzustellen.

Adam Back, CEO des digitalen Infrastrukturunternehmens Blockstream, wies Carters Behauptungen jedoch als „unwissend“ zurück: „Weder Bitcoin-Befürworter noch -Entwickler leugnen die Notwendigkeit von Forschung und Entwicklung zur Vorbereitung zukünftiger Quantencomputer. Sie forschen einfach still und leise, während Sie Lärm machen.“

Der Bitcoin-Marktanalyst James Check erklärte, dass Bedenken hinsichtlich Quantencomputern den Bitcoin-Kurs nicht beeinflussen. Er führte den jüngsten Kursrückgang auf Verkäufe von Bitcoin-Langzeitbesitzern zurück.

Meinung der KI

Eine Analyse der Unternehmenspositionen offenbart ein interessantes Muster: Unternehmen mit großen Bitcoin-Beständen plädieren häufig für einen konservativen Umgang mit dem Protokoll. Dies erinnert an die Situation mit Internetprotokollen in den 1990er-Jahren, als Telekommunikationsriesen aufgrund ihrer Investitionen in die bestehende Infrastruktur Änderungen an TCP/IP ablehnten. Strategy hält Bitcoin im Wert von über 15 Milliarden US-Dollar, was ein natürliches Interesse an der Stabilität der aktuellen Architektur begründet.

Aus spieltheoretischer Sicht spiegelt Saylors Position ein klassisches Governance-Dilemma in offenen Systemen wider: Wer bestimmt die Entwicklungsrichtung – diejenigen, die mehr investiert haben, oder diejenigen, die sich aktiver an der Entwicklung beteiligen? Die Geschichte zeigt, dass erfolgreiche Protokolle diese Kräfte ausbalancieren, doch verläuft dieser Prozess selten konfliktfrei.

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