
Mike McGlone, leitender Stratege bei Bloomberg Intelligence, bekräftigte seine Zuversicht in seine Prognose, dass der Preis von Bitcoin immer noch auf 10.000 Dollar fallen könnte.
Er begründete seine Position mit makroökonomischem Druck und exzessiver Spekulation am Markt. Durch den Einstieg institutioneller Anleger bewegt sich Bitcoin nun im Gleichschritt mit traditionellen Vermögenswerten und verliert seinen Status als unabhängiges Instrument zur Kapitalerhaltung.
Der Stratege ist zuversichtlich, dass der Abwärtstrend noch nicht vorbei ist und rät dazu, lokale Kurserholungen zu nutzen, um Gewinne zu realisieren.
Meinungen der Gegner
Andere Marktteilnehmer kritisierten McGlones Prognose. Matti Greenspan, Gründer von Quantum Economics, erklärte, ein Kurssturz auf 10.000 US-Dollar würde eine globale Liquiditätskrise oder die „physische Zerstörung des Internets“ erfordern. Er ist der Ansicht, dass Bitcoin seinen Tiefpunkt strukturell bereits 2022 erreicht hat.
PrimeXBT-Analyst Jonathan Randin bezeichnete die Prognose des Bloomberg-Strategen ebenfalls als unwahrscheinlich. Er erwartet, dass sich die nächste größere Nachfragezone im Bereich von 30.000 bis 40.000 US-Dollar bilden wird. Kurzfristig wird Bitcoin weiterhin zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar gehandelt. Ein Anstieg auf 80.000 US-Dollar ist zwar möglich, dürfte aber aufgrund makroökonomischer Probleme nur vorübergehend sein.
AdLunam-Mitbegründer Jason Fernandez prognostiziert einen Preisverfall der ersten Kryptowährung auf 28.000 US-Dollar. Dieses Szenario würde jedoch eine massive Finanzkrise und nicht nur eine einfache Konjunkturabschwächung voraussetzen.
Marktsituation
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels notiert die erste Kryptowährung bei rund 70.000 US-Dollar. Der Kursanstieg erfolgte inmitten eines starken Ölpreisverfalls. Ethereum, Solana und XRP folgten dem Beispiel der führenden Kryptowährung.

Stundenchart von Binance BTC/USDT. Daten: TradingView.
Die Performance von Bitcoin unterscheidet sich deutlich von der traditioneller Anlageinstrumente. Die Indizes Nasdaq 100 und S&P 500 stagnierten in diesem Zeitraum, während Gold nur ein moderates Wachstum verzeichnete. Von diesen Anlageklassen notiert Bitcoin im März als einziger im Minus.
Die Korrelation der Kryptowährung mit Technologieaktien nimmt ebenfalls ab. In den letzten fünf Tagen legte der Spot-ETF von BlackRock (IBIT) um 3,75 % zu, während der iShares Expanded Tech-Software ETF 2,45 % verlor. Analysten hoffen nach einem längeren Rückgang auf eine Stabilisierung des Kryptomarktes.
Die Nansen-Analystin Aurelie Barter wies auf die Widerstandsfähigkeit des digitalen Goldes gegenüber geopolitischen Spannungen hin:
„Die Sensitivität des Vermögenswerts gegenüber Kursverlusten war im Vergleich zu traditionellen Indizes wie dem Euro Stoxx begrenzt.“
Ihrer Meinung nach deutet dies auf die Erschöpfung der Kräfte der Verkäufer hin.
Der Wintermute-Händler Brian Tan bemerkte einen Paradigmenwechsel in der Beziehung zwischen Bitcoin und Gold: Innerhalb einer Woche erhöhte sich die Korrelation zwischen ihnen von -0,49 auf +0,16.
Während Anleger zu Beginn des Nahostkonflikts Kryptowährungen zugunsten von Edelmetallen mieden, steigen die Kurse beider Anlageklassen nun parallel, da der Dollar schwächer wird. Tan ist der Ansicht, dass sich die Wahrnehmung von Bitcoin wandelt, da er nicht mehr ausschließlich als riskante Anlage gilt, die in Zeiten der Instabilität verkauft werden sollte.
Steigende Kurse deuten auf ein erhöhtes Interesse an Bitcoin-ETFs hin. Joe Edwards von Enigma wies auf stetige Investitionen in IBIT in den letzten zwei Wochen hin.
Laut SoSoValue flossen dem Fonds im März fast 1 Milliarde US-Dollar zu. Zuvor hatte es von November bis Februar Abflüsse von über 3 Milliarden US-Dollar gegeben. Laut Edwards ist die Phase der Kapitalabflüsse beendet, und bei anhaltend hoher Nachfrage wird sich der Markt im zweiten Quartal weiter erholen.
Auswirkungen der Ölpreise
Starke Energiepreisschwankungen und globale wirtschaftliche Instabilität könnten zu hohen Kursschwankungen bei Bitcoin führen. Die erste Kryptowährung verhält sich weiterhin wie ein risikoreiches Anlagegut und nicht wie ein „sicherer Hafen“.
Steigende Ölpreise könnten die globale Inflation beschleunigen und die Zentralbanken zwingen, die Senkung der Leitzinsen zu verschieben.
„Die hohen Energiekosten treiben die Inflation an. Die Regulierungsbehörden verfolgen eine restriktive Politik, was den Liquiditätszufluss, den Bitcoin benötigt, einschränkt“, sagte Sebastian Serrano, CEO der Kryptobörse Ripio, in einem Interview mit DL News.
Die US-amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) stuft die erste Kryptowährung zusammen mit Gold und Öl als Rohstoff ein. In der Praxis zeigt das Anlagegut jedoch eine völlig andere Dynamik.
Die digitale Währung korreliert mit volatilen Anlageinstrumenten – beispielsweise mit Aktien von Technologieunternehmen.
Kaiko-Analyst Laurens Fraussen betonte, dass Bitcoin weiterhin ein risikoreiches Anlagegut sei und stark auf makroökonomische Schocks reagiere. Er fügte hinzu, dass die These, Kryptowährungen seien ein Schutz vor Inflation, „vom Markt längst widerlegt“ worden sei.
Historisch gesehen haben globale Krisen den Preis der ersten Kryptowährung unter Druck gesetzt. Experten warnen davor, dass der Kryptomarkt im Falle eines starken Einbruchs der Aktienmärkte aufgrund wirtschaftlicher Instabilität wahrscheinlich folgen wird.
Zur Erinnerung: Im März bezeichneten die Analysten von Bitfinex die Ölpreise als Haupttreiber des Bitcoin-Preises.
