
Angesichts des jüngsten starken Kursverfalls von Bitcoin hat Matthew Siegel, Leiter der Abteilung für digitale Vermögenswertforschung bei VanEck, eine umfassende Marktanalyse veröffentlicht.
Siegel sagte, die Korrektur sei in erster Linie auf eine Reduzierung der übermäßigen Verschuldung zurückzuführen und der Markt nähere sich technisch gesehen dem überverkauften Bereich.
Laut Siegel ist der Bitcoin-Kurs in der vergangenen Woche um etwa 19 % gefallen und liegt nun bei rund 60.000 US-Dollar. Dieser Rückgang ist nicht auf eine einzelne große Liquidationswelle zurückzuführen, sondern vielmehr auf den raschen Ausstieg aus historisch hoch gehebelten Positionen.
Das offene Interesse an Bitcoin-Futures ist innerhalb weniger Tage um mehr als 20 % gesunken, von 61 Milliarden US-Dollar vor einer Woche auf 49 Milliarden US-Dollar. Siegel wies darauf hin, dass das offene Interesse Anfang Oktober noch 90 Milliarden US-Dollar überstieg, und erklärte, dass die Gesamtverschuldung am Markt seit ihrem Höchststand um mehr als 45 % zurückgegangen sei.
In den Kryptowährungsmärkten wurden in der vergangenen Woche Liquidationen im Wert von insgesamt 3 bis 4 Milliarden US-Dollar gemeldet, davon entfielen 2 bis 2,5 Milliarden US-Dollar auf Bitcoin-Futures. Siegel erklärte, dies sei eine „signifikante, aber nicht die stärkste Panikliquidation“ gewesen.
Siegel erklärte, der Verkaufsdruck sei nicht nur auf den Rückgang der Hebelwirkung an den Derivatemärkten zurückzuführen, sondern auch auf das nachlassende Interesse an künstlicher Intelligenz (KI), das die Risikobereitschaft negativ beeinflusst habe. Er merkte an, dass Investoren begonnen hätten, die Nachhaltigkeit groß angelegter Investitionen in Infrastruktur und Rechenzentren in Frage zu stellen.
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Siegel merkte an, dass diese Situation zusätzlichen Druck auf Bitcoin-Miner ausübt, die versuchen, ihre Mining-Kapazitäten für künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechnen (HPC) umzustellen. Er fügte hinzu, dass aufgrund der sich verschärfenden Finanzierungsbedingungen und der Preisschwäche von Bitcoin einige Miner gezwungen waren, Bitcoin auf dem Spotmarkt zu verkaufen, um ihre Bilanzen zu stärken.
Siegel erklärte außerdem, dass Transparenzfragen im Krypto-Ökosystem erneut diskutiert würden. Er hob insbesondere hervor, dass die Nachricht vom Eigentümerwechsel bei World Liberty Finance, das sich im Besitz der Familie Trump befindet, die Notwendigkeit einer Regulierung erneut unterstrichen habe. Er argumentierte, dass der derzeit in den USA diskutierte Clarity Act die Unsicherheit durch die Einführung standardisierter Berichtspflichten und Transparenzmaßnahmen verringern könnte.
Siegel merkte an, dass Bitcoin sich einem Rückgang von etwa 50 % gegenüber seinem Höchst- und Tiefststand nähert, wies aber darauf hin, dass die beobachtete Volatilität im Vergleich zu früheren Bärenmärkten geringer sei. Er merkte an, dass die 90-Tage-Volatilität bei rund 38 % liege, während dieser Wert im Bärenmarkt von 2022 über 70 % gelegen habe.
Auf Grundlage dieser Grafik argumentiert Siegel, dass der Markt trotz des starken Preisverfalls eine kontrolliertere Abwicklung erlebte und dass, sofern kein neuer, Bitcoin-spezifischer negativer Katalysator auftritt, das Abwärtsrisiko weitgehend absorbiert worden sein dürfte.
Siegel merkte an, dass die potenziellen Auswirkungen von Quantencomputern auf die Sicherheit von Bitcoin in letzter Zeit wieder vermehrt diskutiert werden, wobei einige Investoren die Möglichkeit eines „Post-Quanten“-Upgrades im Rahmen eines „Soft Forks“ ins Spiel bringen. Er fügte jedoch hinzu, dass die Entwickler von Bitcoin Core der Ansicht sind, dass dieses Risiko kurzfristig keine unmittelbare Bedrohung darstellt.
Andererseits merkte Siegel an, dass der Vierjahreszyklus in der Anlegerpsychologie weiterhin ein wichtiger Bezugspunkt sei, und erinnerte daran, dass die durchschnittliche Zeitspanne zwischen Höchst- und Tiefststand historisch gesehen etwa 384 Tage beträgt. Er wies jedoch darauf hin, dass dieser Prozess typischerweise nicht linear verläuft und zwischen den Höchstständen starke Erholungen zu beobachten sein können.
Laut Siegel mehren sich die Anzeichen zunehmender Spannungen an den Derivatemärkten. Die Tatsache, dass die Finanzierungsraten für Ethereum- und Solana-Perpetual-Bonds auf vielen Plattformen negativ geworden sind, deutet auf historische Kurzzeittiefs hin. Die Bitcoin-Finanzierungsraten sind zwar weiterhin leicht positiv, stehen aber im Vergleich zu historischen Durchschnittswerten unter Druck, was auf ein ausgewogenes Verhältnis von Long- und Short-Positionen schließen lässt.
Siegel merkte außerdem an, dass Momentumindikatoren wie der RSI auf dem Bitcoin-Futures-Fortsetzungschart unter 21 gefallen seien und damit in den überverkauften Bereich gerutscht seien, und erklärte, dass solche Werte in der Vergangenheit Stabilisierungen und Erholungen signalisiert hätten.
Trotz all der negativen Schlagzeilen sagte Siegel, die aktuelle Korrektur könne Chancen für langfristige Anleger bieten, und äußerte sich auch zu seiner eigenen Position:
„Für mich werden dieses Ausmaß des Kursverfalls und der Einsatz von Hebelwirkung zunehmend attraktiver, um Positionen in den nächsten ein bis zwei Jahren auszubauen, anstatt kurzfristig zu handeln. Heute habe ich Bitcoin in den Spotmarkt aufgenommen.“
Dies ist keine Anlageberatung.
