
Der Bitcoin-Kurs ist in den letzten 24 Stunden um etwa 2,6 % gestiegen. Die Kryptowährung testete kurzzeitig die Marke von 72.000 US-Dollar, bevor es zu einer leichten Korrektur kam. Diese Bewegung erfolgte im Zuge des Versuchs, eine lokale Widerstandszone zu durchbrechen. Diese Barriere hatte die Kursdynamik mehrere Tage lang gebremst.
Auf den ersten Blick deutet die aktuelle Chartstruktur auf eine mögliche Käuferfalle hin. Diese Situation tritt ein, wenn einem Kursrückgang schnell ein Ausbruch folgt. Eine detaillierte Analyse der Derivate- und Spotmärkte legt jedoch ein anderes Szenario nahe. Anstatt dass Anleger Verluste realisieren, hält der Markt offensichtlich ein ausreichendes Volumen an Short-Positionen für einen erneuten Kursanstieg aufrecht.
Widersprüchliche Signale aus grafischen Analyseindikatoren
Auf dem Vier-Stunden-Chart von Bitcoin bildet sich ein technisches Analysemuster, die sogenannte „Tassenformation mit Henkel“. Trader interpretieren dieses Muster traditionell als positives Signal für die Fortsetzung des Aufwärtstrends.
Ein wichtiges Detail ist in der Struktur selbst verborgen. Die Nackenlinie verläuft nach unten. Die obere Begrenzung des Henkels folgt einem nahezu identischen Winkel. Folglich sind die Ausbruchsniveaus für beide Teile des Musters nahezu identisch. Die sich überlappenden Widerstandszonen bestätigen das Muster, falls die Barriere erfolgreich durchbrochen wird. Dies erhöht jedoch auch die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbewegung, wenn Händler die Barriere verteidigen.
Ausbruchsmuster: TradingView
Als der Bitcoin-Kurs die kombinierte Widerstandslinie überschritt, schien die Formation abgeschlossen. Das theoretische Kursziel dieses Musters wird von Tiefpunkt zu Tiefpunkt gemessen. Demnach beträgt das geschätzte Aufwärtspotenzial ab der Ausbruchszone etwa 10 %. Der Ausbruch selbst offenbarte jedoch ein potenzielles Risiko.
Bitcoin überschritt kurzzeitig die Marke von 72.000 US-Dollar, doch die Verkäufer verstärkten umgehend ihre Bemühungen und bildeten einen langen Schatten über dem Chart. Eine Analyse des Charts mithilfe des RSI-Indikators, einem Momentum-Maß, liefert ein weiteres Warnsignal.
Vom 10. bis 13. März erreichte der Bitcoin-Preis ein neues Hoch, während der RSI-Wert hingegen unter dem vorherigen Höchststand blieb.
Diese Divergenz wird als bärische Divergenz bezeichnet und deutet typischerweise auf eine nachlassende Kaufdynamik trotz steigender Kurse hin. Sollte Bitcoin im Vier-Stunden-Chart nicht über 72.000 US-Dollar steigen, könnte die Divergenz eine lokale Korrektur auslösen.
$BTC”> $BTC -Divergenzrisiko: TradingView
Technische Fallen werden nur dann ausgelöst, wenn Händler falsche Positionen einnehmen.
Negative Finanzierungszinsen am Derivatemarkt
Daten aus dem Derivatemarkt deuten darauf hin, dass Händler es nicht eilig haben, aktiv einen Ausbruch anzustreben.
Das offene Interesse, das den Gesamtwert aller aktiven Futures-Kontrakte widerspiegelt, stieg mit dem Marktanstieg. Am 9. März betrug das offene Interesse an Bitcoin rund 21,4 Milliarden US-Dollar. Es ist nun auf etwa 23,49 Milliarden US-Dollar gestiegen, was einem Zuwachs von rund 10 % entspricht.
Steigende offene Positionen in Verbindung mit steigenden Kursen deuten typischerweise auf ein erhöhtes spekulatives Interesse hin. Ein anderer wichtiger Indikator zeichnet jedoch ein anderes Bild.
Der Funding-Satz, der anzeigt, ob Long- oder Short-Futures-Positionen am Markt überwiegen, bleibt negativ. Aktuell liegt er bei etwa -0,014 %.
Finanzierungstrend deutet auf pessimistische Stimmung hin: Santiment
Negative Finanzierung deutet auf ein Überwiegen von Short-Positionen hin, was bedeutet, dass viele Marktteilnehmer trotz des Ausbruchs nach oben immer noch auf einen Kursrückgang setzen.
Unter diesen Bedingungen dürfte sich die Bildung der erwarteten Bullenfalle als schwierig erweisen, da der Markt nicht durch Optimismus überhitzt ist. Gleichzeitig könnte die Dominanz von Leerverkäufen die Grundlage für einen Short Squeeze schaffen, bei dem ein weiterer Kursanstieg Bären dazu zwingt, ihre Positionen dringend zu schließen und den Markt noch weiter nach oben treibt. Die Aktivitäten am Spotmarkt liefern weitere Details zu diesem Bild.
Bitcoins Rückzug von den Börsen deutet auf wachsenden Kaufdruck hin
Die On-Chain-Transaktionsflussdaten zeigen, dass weiterhin Token von den Handelsplattformen entfernt werden, was typischerweise auf eine Akkumulation hindeutet.
Die Kennzahl „Nettopositionsänderung an Börsen“ erfasst, wie viele Token in Börsen ein- und ausfließen. Ein negativerer Wert deutet darauf hin, dass Anleger massenhaft Bitcoin von den Börsen abziehen, was häufig den Verkaufsdruck verringert.
Am 9. März verzeichnete der Indikator einen Abfluss von etwa 40.840 BTC von den Börsen. Dieser Wert ist nun auf 53.823 BTC gesunken, was einem Anstieg des Abflusses um 31,7 % in diesem Zeitraum entspricht. Dies deutet darauf hin, dass Spot-Investoren Bitcoin kaufen und die Coins sofort wieder abziehen, wodurch das für den sofortigen Verkauf verfügbare Angebot sinkt.
$BTC”> $BTC Spotmarkt: Glassnode
Trotz pessimistischer Stimmung am Derivatemarkt und steigender Kapitalabflüsse von den Börsen zeichnen sich günstige Bedingungen für weiteres Wachstum ab. Obwohl die Chartstruktur zunächst an eine Bullenfalle erinnert, deuten die Marktpositionen darauf hin, dass viele Marktteilnehmer noch immer skeptisch sind. Diese anhaltende Skepsis könnte einem neuen Aufwärtstrend zusätzlichen Auftrieb verleihen.
Wenn Bitcoin sich über 72.000 US-Dollar erholen kann, wird sich die RSI-Divergenz wahrscheinlich abschwächen und die Ausbruchsstruktur wieder an Dynamik gewinnen.
Die nächsten Widerstandsmarken liegen bei etwa 73.800 $ und im Bereich um 75.100 $. Ein Anstieg in diesen Bereich entspräche einem Gewinn von rund 5 % gegenüber dem aktuellen Bitcoin-Kurs. Dies deckt sich mit den Erwartungen einer Kursbewegung von 10 %, die auf dem „Bowl-and-Nackenlinie“-Muster basieren.
Sollte der Widerstand nicht durchbrochen werden, könnte Bitcoin auf 70.400 US-Dollar und anschließend auf die Unterstützung bei 68.900 US-Dollar fallen. Ein Durchbruch unter 68.900 US-Dollar würde das bärische Szenario kurzfristig verstärken.
Bitcoin-Preisanalyse: TradingView
Obwohl die technische Analyse von Bitcoin derzeit auf eine mögliche Bullenfalle hindeutet, gibt es keine Anzeichen für eine breite Marktnachfrage. Da viele Anleger weiterhin Short-Positionen halten und die Nachfrage am Spotmarkt weiter wächst, deuten die aktuellen Bedingungen darauf hin, dass Bitcoin noch Chancen hat, sich der 75.000-Dollar-Marke anzunähern.
