
Bitcoin stürzte am 6. Februar ab, und die Krypto-Community versucht herauszufinden, wer hinter dem massiven Kurssturz steckt. Drei Theorien sind aufgetaucht: von asiatischen Hedgefonds über Banken-Hedging bis hin zum Umstieg von Minern auf künstliche Intelligenz.
Hongkonger Hedgefonds und der Yen-Kredit
Eine der führenden Theorien besagt, dass asiatische Hedgefonds mit Hebelwirkung auf den Bitcoin-Kursanstieg spekuliert haben. Laut Parker White, Chief Operating and Investment Officer der DeFi Development Corp., nutzten in Hongkong ansässige Fonds Optionen, die an Bitcoin-ETFs wie BlackRocks IBIT gekoppelt waren, und finanzierten diese Positionen mit günstigen japanischen Yen-Krediten.
Das System funktionierte simpel: Fonds tauschten Yen in andere Währungen und investierten in risikoreiche Anlagen wie Kryptowährungen, in der Erwartung weiterer Kurssteigerungen. Als der Bitcoin-Kurs stagnierte und die Kosten für Yen-Kredite stiegen, führten diese gehebelten Positionen schnell zu Verlusten. Die Kreditgeber verlangten zusätzliche Sicherheiten, was die Fonds zwang, Bitcoin und andere Vermögenswerte notfalls zu verkaufen, was den Kursverfall nur noch verschärfte.
Morgan Stanley und strukturierte Anleihen
Der ehemalige BitMEX-CEO Arthur Hayes bot eine andere Erklärung an. Er glaubt, dass Banken, darunter auch Morgan Stanley, möglicherweise gezwungen waren, Bitcoin oder Bitcoin-bezogene Vermögenswerte zu verkaufen, um ihre Positionen in strukturierten Produkten abzusichern, die an Spot-Bitcoin-ETFs gekoppelt sind.
Diese Finanzprodukte ermöglichen es Kunden, auf den Bitcoin-Kurs zu spekulieren, oft mit Kapitalschutz oder entsprechenden Beschränkungen. Wenn der Bitcoin-Kurs stark fällt und wichtige Kursmarken unterschreitet – beispielsweise rund 78.700 US-Dollar bei einem Produkt von Morgan Stanley –, sind Händler gezwungen, Delta-Hedging zu betreiben, indem sie den zugrunde liegenden Vermögenswert oder Futures verkaufen.
Dies erzeugt einen „negativen Gamma-Effekt“: Je weiter der Preis fällt, desto mehr Absicherungsverkäufe sind erforderlich. Infolgedessen wandeln sich Banken von Liquiditätsgebern zu Notverkäufern, was den Abwärtstrend verstärkt.
Bergleute steigen auf KI um
Eine weniger diskutierte, aber ebenfalls kursierende Theorie bringt den Rückgang von Bitcoin mit einer „Miner-Abwanderung“ in Verbindung. Analyst Judge Gibson schrieb am 7. Februar auf der Social-Media-Plattform X, dass die wachsende Nachfrage nach KI-Rechenzentren die Bitcoin-Miner bereits dazu zwingt, ihren Fokus zu verlagern, was zu einem Rückgang der Hashrate um 10 bis 40 % führt.
Im Dezember 2025 kündigte der Miner Riot Platforms eine Umstellung auf eine breiter angelegte Rechenzentrumsstrategie an und verkaufte Bitcoin im Wert von 161 Millionen US-Dollar. Letzte Woche gab ein weiterer Miner, IREN, ebenfalls eine Umstellung auf KI-gestützte Rechenzentren bekannt.
Der Hash Ribbons-Indikator gab ebenfalls Anlass zur Sorge: Die durchschnittliche Hashrate der letzten 30 Tage fiel unter den Durchschnitt der letzten 60 Tage – eine negative Inversion, die historisch gesehen auf erhebliche Schwierigkeiten bei den Einnahmen der Miner hinweist und das Risiko einer Kapitulation erhöht.
Bitcoin-Hash-Ribbons-Indikator. Quelle: Glassnode
Am 7. Februar lagen die durchschnittlichen Stromkosten für das Schürfen eines Bitcoins bei etwa 58.160 US-Dollar, die Nettoproduktionskosten bei etwa 72.700 US-Dollar. Sollte der Bitcoin-Kurs unter 60.000 US-Dollar fallen, könnten Miner in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Meinung der KI
Aus systemanalytischer Sicht sind die drei beschriebenen Theorien möglicherweise keine konkurrierenden Hypothesen, sondern vielmehr Glieder einer einzigen Kette. Algorithmische Handelssysteme können einen lokalen Schock in Asien in eine globale Kettenreaktion verwandeln: Bank-Hedge-Bots reagieren auf Volatilität, Minenbetreiber sehen sinkende Rentabilität und beschleunigen ihre Diversifizierung, was zusätzlichen Druck auf den Markt ausübt. Der Einbruch des Dow Jones Industrial Average im Mai 2010 demonstrierte, wie vernetzte automatisierte Systeme geringfügige Turbulenzen in eine Katastrophe verwandeln können – der Index stürzte innerhalb von Minuten um fast 1.000 Punkte ab.
Der institutionelle Bitcoin-Markt unterscheidet sich grundlegend vom Markt der Jahre 2017–2021. Damals wurden die Verkäufe von Privatanlegern ausgelöst; heute sind es Bankhändler und Risikomanager mit strengen Algorithmen. Der Markt ist zwar effizienter geworden, aber auch anfälliger für Systemausfälle. Paradoxerweise macht die Professionalisierung des Kryptomarktes ihn anfälliger für Dominoeffekte.
