
Das russische Ministerium für digitale Entwicklung arbeitet an verschiedenen Maßnahmen zur Bekämpfung von VPNs: Gebühren für internationale mobile Daten über 15 GB pro Monat, Streichung von Marktplätzen und Banken von „Whitelist“-Listen, sofern diese nicht Nutzer mit aktiven VPN-Verbindungen blockieren, und Verbot der Abrechnung ausländischer Dienste über Telefonrechnungen. Diese Details wurden nach nicht-öffentlichen Ministeriumssitzungen vom 28. bis 30. März 2026 bekannt gegeben.

Wie das Ministerium seine Maßnahmen erklärt
Am 30. März sandte der Leiter des Ministeriums für digitale Entwicklung, Maksut Schadajew, einen Brief an die IT-Community „We Are IT“ auf der Max-Plattform. Darin legte er die Position des Ministeriums klar dar: Das Ministerium erlasse keine eigenen Beschränkungen, sondern setze lediglich bereits getroffene Entscheidungen um – insbesondere die Einschränkung des Zugangs zu ausländischen Plattformen, die gegen russisches Recht verstoßen. Die Verhandlungen mit diesen Plattformen seien langwierig und ergebnislos verlaufen.
Das Ministerium hält administrative Strafen für die Nutzung von VPNs für zu grob und unerwünscht – Shadaev nannte es eine „direkte Lösung“, die die Behörde „kategorisch ablehnt“. Stattdessen sucht das Ministerium für digitale Entwicklung nach Instrumenten, die den Einsatz von Umgehungstools reduzieren und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Nutzer minimieren.
Was wird Betreibern und Plattformen angeboten?
In nicht-öffentlichen Sitzungen am 28. März – zunächst mit Telekommunikationsbetreibern und anschließend mit Vertretern digitaler Plattformen – wurde ein konkretes Maßnahmenpaket erörtert. Laut den Teilnehmern:
- Es wurde vorgeschlagen, für internationales Datenvolumen – hauptsächlich VPN-Datenverkehr – über 15 GB pro Monat in Mobilfunknetzen eine Gebühr einzuführen. Jedes weitere Gigabyte soll mit etwa 150 Rubel berechnet werden. Die Maßnahme soll voraussichtlich am 1. Mai 2026 in Kraft treten.
- Digitale Plattformen und Marktplätze werden angehalten, Nutzern mit aktiven VPN-Verbindungen den Zugriff auf ihre Dienste zu verweigern. Wer sich weigert, riskiert den Ausschluss von sogenannten „Whitelists“ – Ressourcen, die auch bei eingeschränkter mobiler Internetnutzung zugänglich sind.
- Ein Verbot, bestimmte ausländische Dienstleistungen mit dem Guthaben eines Mobiltelefons zu bezahlen, wird gesondert geprüft.
Die größten russischen Online-Dienste, darunter Wildberries, Ozon, Yandex-Dienste, VK, Avito, Magnit, VkusVill und Dixy, sowie Banken wie Sberbank, VTB, GPB, PSB und T-Bank sind gefährdet.
Der erste Schritt erfolgt bereits ab dem 1. April.
Ein Teil dieser Politik tritt morgen in Kraft: Ab dem 1. April 2026 werden die Mobilfunkbetreiber auf Anweisung des Ministeriums für digitale Entwicklung die Möglichkeit deaktivieren, Apple-Dienste über die Telefonrechnung zu bezahlen.
Das Geschehen steht in einem größeren Zusammenhang. Bereits im März 2026 legte das Ministerium für digitale Entwicklung, Kommunikation und Massenmedien einen Plan zur Erhöhung der Kapazität des Internet-Traffic-Filtersystems vor – bis 2030 soll diese 954 Terabit pro Sekunde erreichen. Gleichzeitig wird der Einsatz eines Whitelisting-Systems in Mobilfunknetzen, der bisher auf abgelegene Regionen beschränkt war, ausgeweitet.
Das Ministerium für digitale Entwicklung, Kommunikation und Massenmedien veröffentlichte nach den Treffen im März keine offiziellen Pressemitteilungen; alle Details wurden von den Verhandlungsteilnehmern selbst bekannt gegeben. Das beschriebene Maßnahmenpaket fügt sich in die Gesamtlogik des Cheburnet-Projekts ein: keine einmalige Abkopplung vom globalen Netzwerk, sondern eine schrittweise Einschränkung des Handlungsspielraums durch wirtschaftliche Hebel, Druck auf Plattformen und den Ausbau des Whitelisting-Systems.
Meinung der KI
Aus technischer Sicht wird die Einführung einer Gebühr für internationale mobile Daten über 15 GB nahezu zwangsläufig einen neuen Markt schaffen: russische Relay-Server. Das Prinzip ist einfach: Ein Nutzer verbindet sich mit einem russischen VDS, der auf der „Whitelist“ des Mobilfunkbetreibers steht und nicht den Verdacht der TSPU erregt. Dieser leitet den Datenverkehr dann an einen ausländischen Server weiter. Für den Mobilfunkbetreiber kommuniziert der Nutzer mit einer russischen Adresse – es findet kein formaler internationaler Datenverkehr statt. Ab März 2026 müssen Nutzer solche Verbindungen manuell aufbauen. Russische VDS-Anbieter bieten derzeit noch keinen fertigen, sofort einsatzbereiten Dienst an.
Die Frage ist, wie schnell die Anbieter dies als Geschäftschance erkennen und die Weiterleitung in fertige Tarife integrieren werden. Sollte die Maßnahme des Ministeriums für digitale Entwicklung vor dem 1. Mai in Kraft treten, bleibt dem Markt genau dieselbe Zeit, um darauf zu reagieren.
