
Die Ausfälle des mobilen Internets in Moskau haben die Idee von öffentlichen Telefonzellen in der Staatsduma neu entfacht – diesmal mit Internetzugang. Der Abgeordnete Igor Antropenko (Einiges Russland) erklärte gegenüber TASS, das Thema sei angesichts der zunehmenden Ausfälle in Großstädten im ganzen Land „dringend“ geworden.
Das Problem in der Hauptstadt hat ein ernstes Ausmaß erreicht. Laut dem Telegram-Kanal „Moskau schläft nicht“ wurden in 40 der 132 Moskauer Bezirke – also in rund 30 % der Stadt – Verstöße gegen die Internetbeschränkungen registriert. Seit Anfang März ist das mobile Internet in den zentralen Bezirken praktisch nicht verfügbar: Die Betreiber nennen Gründe, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen, und die Behörden haben noch keinen Zeitplan für die Aufhebung der Einschränkungen bekannt gegeben. Bewohner des Zentralen Verwaltungsbezirks berichten von fehlendem mobilen Internet und WLAN, was Cafés, Geschäfte und Büros beeinträchtigt.
Der Pressesprecher des Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte die Einschränkungen als „systemische Maßnahmen“ im Interesse der Sicherheit. Später stellte er klar, dass die Maßnahmen „so lange wie nötig“ andauern würden.
Münztelefone als Antwort auf Cheburnet
Antropenkos Vorschlag fügt sich in das Gesamtbild der schrittweisen Fragmentierung des russischen Internets ein – was gemeinhin als „Tscheburnet“ bezeichnet wird. Es geht um die konsequente Entwicklung einer Infrastruktur, die das russische Segment des Netzwerks vom globalen Segment isolieren und, falls erforderlich, den Zugang zu einzelnen Diensten und Netzwerken entweder selektiv oder umfassend einschränken würde.
Die technische Grundlage dieser Infrastruktur bildet DPI (Deep Packet Inspection): Das System analysiert den Inhalt jedes Datenpakets auf Provider-Ebene und gleicht die Domain mit einer Liste zulässiger Ressourcen ab. Befindet sich eine Website nicht auf dieser Liste, wird die Verbindung ohne Fehlermeldung getrennt, und der Browser zeigt endlos ein Ladesymbol an. Laut der Studie umfasst die Whitelist etwa 1.000 der weltweit meistbesuchten Websites – weniger als ein Prozent des globalen Netzwerks. Die Liste zulässiger Websites enthält unter anderem Yandex, VKontakte, Odnoklassniki und mehrere hundert gesellschaftlich relevante Dienste.
Der Abgeordnete merkte an, dass die Bewohner von Grenzregionen solche Einschränkungen seit Langem gewohnt seien, doch in Moskau, wo die wichtigsten Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen konzentriert sind, würden sich die Beeinträchtigungen grundlegend anders auswirken. Genau dies, so sagte er, habe die Anfälligkeit der städtischen Infrastruktur offengelegt.
Die Idee, wieder öffentliche Telefone einzuführen, mag ungewöhnlich klingen, ist aber logisch: Feste Zugangspunkte mit Kabelverbindungen sind theoretisch widerstandsfähiger gegenüber den Einschränkungen, denen Mobilfunknetze ausgesetzt sind. Ob eine solche Lösung technisch und wirtschaftlich realisierbar ist, ist eine andere Frage, zu der sich der Abgeordnete noch nicht geäußert hat.
Meinung der KI
Die Situation verdeutlicht ein typisches Muster: Gezielte Ausfälle erzeugen einen Bedarf an alternativen Kanälen, anstatt die bestehenden Beschränkungen zu überdenken. Cheburnet ist kein einmaliges Ereignis, sondern eine schrittweise Verengung des verfügbaren Frequenzbereichs. Die Frage ist nicht, auf welchem Kanal das Signal empfangen wird, sondern was genau auf diesem Kanal übertragen werden darf.
