
Sechs Schweizer Banken haben sich mit der Swiss Stablecoin AG zusammengeschlossen. Die Partner testen nun einen neuen Schweizer Stablecoin. Die Finanzinstitute UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank und BCV gaben die Initiative am 8. April offiziell bekannt.
Die Sandbox läuft im Ethereum-Netzwerk gemäß dem ERC-20-Standard. Dieses Projekt wird bis Ende 2026 laufen.
Mangel an regulierten Analoga
Die Bedeutung von Stablecoins auf dem internationalen Markt wächst rasant. Dennoch dominieren weiterhin an den US-Dollar gekoppelte Token wie USDT und USDC. Derzeit fehlt der Schweiz ein regulierter Stablecoin mit breiter Anwendung. Die neue Sandbox soll dieses Problem lösen.
Die Teilnehmer testen ausgewählte Anwendungsfälle in einer kontrollierten Umgebung. Die Entwickler haben robuste Sicherheitsmaßnahmen implementiert, darunter Transaktionslimits und eine begrenzte Teilnehmerzahl. Die Swiss Stablecoin AG stellt die technische Infrastruktur für die Ausgabe des digitalen Vermögenswerts bereit.
Beteiligung systemrelevanter Banken
Dem Konsortium gehören zwei der vier systemrelevanten Banken der Schweiz an: UBS und die Raiffeisen Gruppe. Traditionelle Finanzinstitute kooperieren aktiv mit digitalen Anbietern wie Sygnum, was das Engagement der Schweizer Finanzelite für die Stablecoin-Infrastruktur unterstreicht.
Viele Teilnehmer verfügen bereits über Erfahrung im Bereich tokenisierter Finanzdienstleistungen. UBS, BCV, Raiffeisen Schweiz und die Zürcher Kantonalbank nahmen zuvor am Pilotprojekt „Project Helvetia“ teil. Diese Initiative wurde von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) betreut. Ingenieure testeten eine digitale Zentralbankwährung für den Großhandel im Zahlungsverkehr.
Der neue Testraum ist ein privates Projekt, keine Regierungsinitiative. Die Banken planen jedoch, ihre gesammelten operativen Erfahrungen zu nutzen.
Projektausweitung und europäische Erfahrungen
Die Testumgebung steht weiterhin anderen interessierten Banken und Unternehmen offen. Dadurch positioniert sich das Projekt als skalierbare Plattform und nicht als geschlossenes Pilotprojekt. Die Teilnehmer konzentrieren sich auf den Aufbau eines Schweizer Ökosystems für digitales Geld, die Entwicklung digitaler Zahlungsfunktionen und den Erwerb praktischer Branchenkenntnisse.
Diese Initiative folgt ähnlichen Projekten in Europa. Ein Konsortium aus zwölf Banken kündigte kürzlich die Einführung des digitalen Vermögenswerts Qivalis an. Zu dieser Gruppe gehören BBVA, ING und UniCredit. Die Einführung des neuen, an den Euro gekoppelten Stablecoins wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.
Eine weitere Gruppe von zehn Banken prüft ebenfalls die Ausgabe von Stablecoins. Dazu gehören die Bank of America, die Deutsche Bank, Goldman Sachs und UBS.
Die Bedeutung der Initiative für die Branche
Diese Testumgebung stellt die größte Zusammenarbeit zwischen Schweizer Banken im Bereich der digitalen Infrastruktur dar. An den Schweizer Franken gekoppelte Stablecoins existieren bereits auf dem Markt. Beispielsweise erfüllt der CHFAU-Token von AllUnity die MiCA-Regeln. Das Schweizer Bankenkonsortium zielt jedoch auf institutionelle Abwicklungen ab.
Die Testphase läuft bis Ende 2026. Die Organisatoren werden in der zweiten Jahreshälfte einen Zwischenbericht veröffentlichen. Die Zugangsbedingungen und konkreten Anwendungsfälle für den breiteren Markt werden derzeit noch nicht veröffentlicht. Dieses Projekt ist der erste bankenübergreifende Test dieser Art in der Schweiz. Andere Banken und Tokenisierungsplattformen verfolgen die Entwicklung der Schweizer Infrastruktur aufmerksam.
