
Angesichts der sich zuspitzenden Lage im Iran hat der Kryptomarkt ein neues Risikobewertungsinstrument erhalten: Prognoseplattformen, sagte Fabian Dori, Chief Investment Officer der Schweizer Sygnum Bank.
Die Rede ist von Plattformen wie Polymarket und Kalshi, auf denen Nutzer auf die Wahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse wetten – von militärischen Konflikten bis hin zu diplomatischen Abkommen. Diese Dienste erzeugen ein neues Signal für den Kryptomarkt, basierend auf der Verteilung realen Kapitals.
„Prognosemärkte bewerten spezifische, klar definierte Ereignisse, hinter denen reales Kapital steht. Für die Kryptoindustrie, wo sich die Preise oft aufgrund binärer Ereignisse – Regulierungen, Richtlinien oder Protokollaktualisierungen – bewegen, ist dies ein grundlegend anderes Signal“, sagte Dori.
Während der jüngsten Eskalation im Iran-Konflikt übertrafen die Veränderungen der Wahrscheinlichkeiten auf solchen Plattformen die Reaktion der traditionellen Medien. Laut Dori korrelierte die Dynamik dieser Indikatoren mit den Kursbewegungen von Bitcoin.
Die Marktreaktion erfolgte nahezu umgehend. Aussagen von US-Präsident Donald Trump über ein mögliches Ende des Konflikts innerhalb von „zwei bis drei Wochen“ beflügelten den Anstieg von Kryptowährungen. Am darauffolgenden Tag, nach Berichten über weitere Angriffe, fiel der Bitcoin-Kurs.
Große Marktteilnehmer beginnen, solche Daten in ihre Anlageentscheidungen einzubeziehen. ARK Invest beispielsweise nutzt Kalshi-Daten für seine Analysen. Laut Dune überstieg die Anzahl der Transaktionen auf solchen Plattformen im März 2026 200 Millionen, und das monatliche Handelsvolumen erreichte 25 Milliarden US-Dollar. Auch die Investitionen in diesem Sektor steigen: Intercontinental Exchange investierte laut Dori 600 Millionen US-Dollar in Polymarket.
Seinen Angaben zufolge werden solche Daten zunehmend neben traditionellen Indikatoren wie Finanzierungsraten, Optionsmärkten und Liquiditätsflüssen verwendet. Dies könnte auf eine Erweiterung des Analyseinstrumentariums für Kryptomärkte hindeuten, bei der Verhaltenssignale traditionelle Kennzahlen ergänzen.
Prognosemärkte haben sich bereits von einem Nischenprodukt zu einem etablierten Markt entwickelt. Die Frage sei nun, wie sie praktisch angewendet und in die Anlageanalyse integriert werden können, bemerkte ein Vertreter der Sygnum Bank.
Zuvor hatte David Grider, ein Topmanager der Investmentgesellschaft Finality Capital, erklärt, dass der Kryptomarkt in diesem Jahr einen mehrstufigen Neustart durchlaufen könnte, gefolgt von der Bildung eines nachhaltigen Aufwärtszyklus.
