Schwerpunktindikator im Kryptohandel: Berechnung, Signale und Grenzen

Индикатор Center of Gravity в криптотрейдинге: расчет, сигналы и ограничения

Technische Analyseindikatoren hinken oft den Kursbewegungen hinterher. Bei volatilen Instrumenten wie Kryptowährungen kann dies die Aussagekraft der Signale beeinträchtigen. Center of Gravity (CG) positioniert sich als Oszillator, der diese Verzögerung minimiert. Betrachten wir seine Funktionsprinzipien und Anwendungsmöglichkeiten.

Der Einfluss der Physik auf die technische Analyse

Der Center of Gravity (CG)-Indikator wurde von dem Elektroingenieur und technischen Analysten John Ehlers in seinem Buch Cybernetic Analysis for Stocks and Futures: Cutting-Edge DSP Technology to Improve Your Trading eingeführt.

Das Konzept des Indikators basiert auf einer Analogie zum physikalischen Konzept des Schwerpunkts. Ehlers beschrieb ein Experiment mit einem 30 cm langen Lineal: Ohne zusätzliches Gewicht lag sein Schwerpunkt in der Mitte, doch mit einer Büroklammer verschob er sich zum schwereren Ende. Mit dieser Analogie schlug der Autor vor, den „Schwerpunkt“ von Kursbewegungen zu berechnen, der sich mit der Veränderung der Marktstruktur verschiebt.

Der Name des Indikators spiegelt diese Idee wider: die Verschiebung des Preisgleichgewichts innerhalb eines ausgewählten Zeitraums zu verfolgen.

Berechnung des Indikators

Die Berechnung des CG-Werts ähnelt der Formel für den gewichteten Durchschnitt, weist aber einen entscheidenden Unterschied auf: Im Nenner wird die Summe der Preise und nicht die Summe der Gewichtungen verwendet. Die Formel lautet wie folgt:

CG = ∑(Preisᵢ × (Gewichtᵢ + 1)) / ∑ Preisᵢ

Wo:

Preisᵢ — Preiswerte des Vermögenswerts für die entsprechenden Zeiträume;
Gewichtᵢ — die diesen Werten zugewiesenen Gewichte.

Um zu verhindern, dass der erste Term auf Null zurückgesetzt wird, muss die Gewichtung um eins erhöht werden (Gewichtᵢ + 1), da die klassische Zählung bei Null beginnt. Zur Glättung des Oszillators invertierte Ehlers außerdem das Vorzeichen des Indikators, wodurch dessen Verhalten mit der Preisdynamik synchronisiert und die Zeitverzögerung minimiert werden konnte.

Die Wahl der Gewichtungen bleibt ein flexibler Parameter. Ehlers experimentierte mit verschiedenen Optionen, darunter RSI- und Stochastik-Oszillatorwerte. Er fand heraus, dass die quadrierte Differenz zwischen zwei benachbarten Kursen die besten Ergebnisse lieferte. Die Gewichtungen müssen jedoch individuell ausgewählt werden, um sicherzustellen, dass der Indikator sich an veränderte Marktbedingungen anpasst.

Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Länge des Berechnungszeitraums. Er bestimmt das Zeitintervall, über das die Berechnung durchgeführt wird. Ehlers empfahl, sich auf die Hälfte des dominanten Marktzyklus zu konzentrieren. Ein zu langer Zeitraum macht den Indikator träge, während ein zu kurzer Zeitraum die Anzahl falscher Signale erhöht.

Die meisten Handelsplattformen verwenden eine Standardperiode von 10 Perioden. Verschiedene Preisarten können als Eingabe verwendet werden: Median (der Durchschnitt zwischen Höchst- und Tiefstkurs der Periode), Eröffnungskurs, Schlusskurs, Höchstkurs oder Tiefstkurs. Ehlers verwendete am häufigsten den Median.

Die CG-Signallinie wird üblicherweise als einfacher gleitender Durchschnitt des Indikators selbst berechnet. Der Trader legt ihre Parameter selbst fest. Alternativ schlug Ehlers vor, den um einen Balken verschobenen CG-Wert als verzögerte Signallinie zu verwenden.

Handelssignale

Ehlers identifizierte zunächst ein grundlegendes Signal: den Schnittpunkt der Schwerpunktlinie mit der Signallinie. Ein Schnittpunkt nach oben wurde als positives, ein Schnittpunkt nach unten als negatives Signal interpretiert.

Im Laufe der Zeit haben Händler den Interpretationsbereich des Indikators erweitert. Folgende Signale werden ebenfalls verwendet:

  • Erreichen von Extremwerten, was auf mögliche überkaufte und überverkaufte Bereiche hinweist;

  • Eine Divergenz bezeichnet eine Diskrepanz zwischen der Kursentwicklung und dem CG (Close-Point-Muster). Erreicht der Kurs neue Höchststände, der CG jedoch nicht, gilt dies als bärisches Signal. Bildet der Kurs hingegen neue Tiefststände, zeigt der CG einen nachlassenden Rückgang, entsteht eine bullische Divergenz.

Grafische Darstellung des Schwerpunkts

Der Schwerpunkt wird als Oszillator dargestellt – eine gestrichelte Linie, die um Null oszilliert. Die visuelle Darstellung kann je nach Plattform variieren.

In TradingView wird der Indikator beispielsweise als Linie dargestellt, deren Farbe sich je nach ihrer Position relativ zu Null ändert: Bei Werten über Null wird eine Farbe angezeigt, darunter eine andere. Die Signallinie wird separat gezeichnet und dient zur Bestimmung der Schnittpunkte.

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Quelle: tradingview.com

Im beigefügten Chart wird der Schwerpunkt (Center of Gravity, CG) auf den Tageschart von Bitcoin der Bitstamp-Börse angewendet. Anfang Februar 2026 erreichte der Indikator seinen niedrigsten Stand seit Langem und befand sich damit im überverkauften Bereich. Zudem kreuzte der CG die Signallinie von unten, was gemäß der verwendeten Methodik als Kaufsignal interpretiert wird.

In TradingView beträgt die Standardberechnungsperiode 10 Tage. Auf einem Tageschart bedeutet dies die Analyse der letzten zehn Handelstage. Dieser Parameter kann an die Handelsstrategie des Nutzers angepasst werden.

Vor- und Nachteile von CG

Der entscheidende Vorteil von CG liegt in seiner minimalen Zeitverzögerung im Vergleich zu herkömmlichen gleitenden Durchschnitten. Der Indikator reagiert sehr schnell auf Kursänderungen und kann zur frühzeitigen Erkennung von Momentumwechseln eingesetzt werden. Darüber hinaus ist er visuell übersichtlich und ermöglicht flexible Parameteranpassungen für verschiedene Handelsstrategien.

Gleichzeitig erfordern die umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten eine sorgfältige Parameterwahl. Bei verschiedenen Instrumenten, insbesondere bei hochvolatilen Kryptowährungen, können die Gewichtungswerte und die Berechnungsperiodenlänge erheblich variieren. Eine fehlerhafte Kalibrierung kann zu einer Zunahme von Fehlsignalen führen.

Obwohl die Berechnung von Indikatoren in Handelsplattformen automatisiert erfolgt, erfordert die korrekte Einrichtung ein Verständnis der mathematischen Grundlagen. Ohne dieses Verständnis können Parametereinstellungen rein formaler Natur sein.

Eine weitere Einschränkung betrifft das Verhalten des CG in Seitwärtsmärkten. Fehlt ein klarer Trend, kann die Aussagekraft des Indikators eingeschränkt sein. Im praktischen Handel sollten seine Signale daher durch andere technische und fundamentale Analysemethoden bestätigt werden.

Abschluss

Der Schwerpunkt-Oszillator (CG) ist ein Oszillator mit minimaler Zeitverzögerung, der Kursmomentum-Wechsel erfasst. Seine Effektivität hängt von der korrekten Wahl der Gewichtungsparameter und der Länge des Berechnungszeitraums ab. Im Trading wird der CG am besten in Kombination mit anderen Analysetools eingesetzt, um die Zuverlässigkeit der Signale zu erhöhen.

Dieses Material und die darin enthaltenen Informationen stellen keine individuelle oder sonstige Anlageberatung dar. Die redaktionelle Meinung stimmt möglicherweise nicht mit den Ansichten von Analyseportalen und Experten überein.

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