
Die südkoreanische Nationalversammlung hat in ihrer Plenarsitzung Änderungen an zwei Gesetzen – dem Kapitalmarktgesetz und dem Gesetz über elektronische Wertpapiere – verabschiedet. Diese Änderungen schaffen die rechtliche Grundlage für die Ausgabe und den Handel mit tokenisierten Wertpapieren mittels Blockchain.
Nach der Zustimmung des Parlaments werden die Gesetzesentwürfe dem Staatsrat und anschließend dem Präsidenten zur Unterzeichnung vorgelegt. Die Gesetze sollen nach einer einjährigen Vorbereitungszeit im Januar 2027 in Kraft treten.
Bei vollständiger Annahme der Änderungen wird die südkoreanische Gesetzgebung es professionellen Emittenten ermöglichen, tokenisierte Wertpapiere auszugeben und diese über Broker und andere Intermediäre als Investmentkontrakte zu handeln. Die neue Rechtslage gilt für alle Arten von Wertpapieren, einschließlich Fremd- und Eigenkapitalinstrumenten.
Tokenisierte Vermögenswerte können auch für unkonventionelle Investitionsverträge verwendet werden – beispielsweise für solche im Zusammenhang mit Immobilien-, Kunst- oder Viehzuchtprojekten. Ihre Anwendung in Südkorea war bisher stark eingeschränkt.
Die koreanische Finanzdienstleistungsaufsicht (FSC) wird für die Umsetzung der neuen Vorschriften zuständig sein. Sie wird ein Beratungsgremium einrichten, dem Vertreter des Finanzaufsichtsdienstes, der koreanischen Wertpapierverwahrstelle, des Verbandes für Finanzinvestitionen sowie Marktteilnehmer und Experten angehören. Ein Auftakttreffen ist für nächsten Monat geplant. Ziel ist die Entwicklung der notwendigen Infrastruktur, darunter ein auf verteilten Ledgern basierendes Buchhaltungssystem und verbesserte Sicherheitsmaßnahmen.
Standard Chartered schätzt, dass die Marktkapitalisierung tokenisierter Vermögenswerte (ohne Stablecoins) bis 2028 zwei Billionen US-Dollar erreichen könnte. Zum Vergleich: Ende 2025 lag dieser Wert bei 35 Milliarden US-Dollar. Die Boston Consulting Group prognostiziert, dass der südkoreanische Markt für tokenisierte Wertpapiere bis zum Ende des Jahrzehnts ein Volumen von 367 Billionen Won (ca. 249 Milliarden US-Dollar) erreichen wird. Bedeutende lokale Akteure wie Mirae Asset Securities und die Hana Financial Group bereiten bereits die Ausgabe ihrer ersten Token vor.
Südkorea arbeitet weiterhin an einem grundlegenden Gesetz für digitale Vermögenswerte. Der Entwurf sieht die Kodifizierung von Regelungen für eine Reihe wichtiger Bereiche vor, darunter an den Won gekoppelte Stablecoins und den ersten Spot-Krypto-ETF des Landes. Die endgültige Fassung des Gesetzes wird voraussichtlich im ersten Quartal dieses Jahres vorgelegt. Der Prozess gestaltet sich jedoch schwierig, da sich die Regulierungsbehörden des Landes nicht auf die wichtigsten Parameter für die Ausgabe von Stablecoins einigen können.
