
Ethereum-Mitbegründer Vitalik Buterin rief die Entwickler dazu auf, der zunehmenden Verbreitung des Protokolls entgegenzuwirken. Er beschrieb die gefährliche Situation, in der das Netzwerk zwar neue Funktionen anhäuft, aber gleichzeitig bestehenden Code praktisch eliminiert.
Buterin ist der Ansicht, dass wahre Unabhängigkeit von Vermittlern und die Autonomie der Blockchain weniger von formalen Indikatoren der Dezentralisierung abhängen als von der Einfachheit ihrer Architektur. Er identifizierte drei Risiken, die von der übermäßigen Komplexität von Ethereum ausgehen.
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Erstens schwächt es den Grundsatz der Unabhängigkeit von Vermittlern: Die Benutzer müssen sich auf Experten verlassen, die ihnen die Funktionsweise des Protokolls erklären, was die Idee der Dezentralisierung selbst untergräbt.
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Zweitens besteht eine Bedrohung für die Souveränität des Netzwerks: Wenn die Entwicklerteams verschwinden, wird es für die Benutzer aufgrund der übermäßigen Komplexität des Systems schwierig, im Netzwerk zu arbeiten.
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Drittens geht die Unabhängigkeit verloren: Selbst technisch versierte Benutzer sind nicht in der Lage, die Logik der Funktionsweise des Systems selbstständig zu analysieren und zu verstehen.
Laut Buterin entsteht eine Verzerrung, wenn sich Updates ausschließlich auf die Lösung von Nutzerproblemen konzentrieren: Entwickler sind eher bereit, neue Funktionen hinzuzufügen, als veraltete zu entfernen. Dies führt dazu, dass das Protokoll nach und nach mit redundantem Code überladen wird. Um dem entgegenzuwirken, schlug Buterin die Einführung eines „Garbage-Collection“-Mechanismus im Ethereum-Entwicklungsprozess vor. Ziel ist es, die gesamte Codebasis zu reduzieren, die Abhängigkeit von komplexen kryptografischen Primitiven zu verringern und mehr Invarianten einzuführen – Regeln, die die Vorhersage und Implementierung von Client-Software vereinfachen.
Buterin hofft, dass es zukünftig sinnvoll sein wird, selten genutzte Funktionen vom Protokollkern in Smart Contracts auszulagern. Dieser Ansatz würde die Belastung für Client-Softwareentwickler verringern und das System übersichtlicher machen.
Der Beitrag des Ethereum-Mitbegründers folgte auf die Aussage von Anatoly Yakovenko, CEO von Solana Labs, dass sich jede Blockchain ständig weiterentwickeln und aktualisieren müsse, um den sich ändernden Bedürfnissen ihrer Nutzer gerecht zu werden. Laut Yakovenko müsse das Protokoll auch für Entwickler nützlich sein, damit diese einen finanziellen Anreiz hätten, das Netzwerk zu verbessern.

Buterin vertrat bereits die Ansicht, dass Ethereum einen Punkt erreichen sollte, an dem das Netzwerk autark wird und über Jahrzehnte hinweg ohne Einfluss von Entwicklern funktionieren kann. Buterin strebt eine möglichst weitgehende Dezentralisierung des Netzwerks an. Zu viele zusätzliche Funktionen erhöhen seiner Meinung nach das Risiko von Fehlern, Sicherheitslücken und unbeabsichtigten Folgen für das Protokoll.
