
Nach 2022 waren russische Unternehmen von den westlichen Finanzmärkten abgeschnitten. Doch nun scheint ein Ausweg gefunden worden zu sein – durch Kryptonetzwerke. Die russische Zentralbank bereitet einen Gesetzentwurf vor, der es Unternehmen ermöglichen soll, digitale Finanzanlagen (DFA) auf öffentlichen Blockchain-Netzwerken zu platzieren.
Das Dokument soll im Sommer 2026 vorgestellt werden.
Wie funktioniert das
Stellen Sie sich eine herkömmliche Anleihe vor, nur in digitaler Form und ohne unnötige Zwischenhändler. Das Unternehmen gibt einen Token in einem öffentlichen Netzwerk – beispielsweise Ethereum – aus, und jeder weltweit kann ihn über eine Kryptobörse oder ein DeFi-Protokoll erwerben. Die gesamte Abwicklung erfolgt automatisch über einen Smart Contract.
Dieses Modell existiert bereits in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Russland erhofft sich dadurch Investoren aus Asien, dem Nahen Osten und Lateinamerika. Hinzu kommt ein rein finanzieller Anreiz: Schuldtitelbasierte digitale Finanzanlagen werden derzeit mit einem Aufschlag von bis zu 1,1 Prozentpunkten gegenüber herkömmlichen Anleihen gehandelt, schlichtweg aufgrund der geringen Marktliquidität. Mit ausländischen Investitionen werden Kredite günstiger.
Der Markt wächst, aber es gibt immer noch viele Probleme
Innerhalb von drei Jahren ist der Markt für digitale Finanzanlagen in Russland von 44 Milliarden Rubel auf 1,5 Billionen Rubel gewachsen – eine beeindruckende Zahl. Doch Grund zum Feiern gibt es noch nicht: Rund 60 % der Emissionen sind kurzfristige Schuldtitel, die überwiegend im Inland erworben werden. Verglichen mit dem Markt für Unternehmensanleihen, der ein Volumen von etwa 33 Billionen Rubel aufweist, machen digitale Finanzanlagen lediglich 2 % aus.
Im Jahr 2025 kam es auf dem Markt zu den ersten Zahlungsausfällen. Der größte Fall betraf die Forte Home GmbH, die ihren Anlegern rund 500 Millionen Rubel nicht auszahlen konnte. Charakteristisch für die in Schieflage geratenen Emittenten war, dass sie keine Bonitätseinstufung besaßen und keine Finanzberichte veröffentlichten. Darüber hinaus ist weiterhin unklar, wie ausländische Investoren ihre Gewinne realisieren können und welchen Rechtsstatus russische digitale Finanzanlagen im Ausland haben werden. Auch technische Fragen, insbesondere zur Cybersicherheit, müssen noch geklärt werden.
Wenn alles gut geht, prognostizieren Analysten, dass der Markt bis 2030 auf 12–13 Billionen Rubel anwachsen wird – fast 20 Mal so viel wie heute.
