
Roger Lynch, CEO von Condé Nast, erklärte, dass der Suchmaschinenverkehr für das Unternehmen keine bedeutende Zielgruppe mehr darstellen werde. Nicht in zehn Jahren, sondern schon in ein paar. Die Einführung KI-gestützter Zusammenfassungen in der Google-Suche bezeichnete er als „weiteren Todesstoß“.
Vor einigen Jahren stammte der Großteil der Besuche auf den Websites von Condé Nast von Google. Im Jahr 2024 wird es nur noch etwa ein Viertel sein. Lynch bezeichnete die Einführung von KI-gestützten Zusammenfassungen in der Google-Suche als „weiteren Todesstoß“ für den Traffic. „Wir erwarten einen starken und anhaltenden Rückgang des Suchverkehrs – bis zu dem Punkt, an dem er für uns innerhalb weniger Jahre irrelevant wird“, sagte er der Financial Times.
Optimierung für verschwindenden Verkehr
Das Bild mag düster erscheinen. Doch Lynch erzählt eine andere Geschichte: Das Unternehmen hat sich bereits angepasst. Condé Nasts Umsatz wuchs 2025, obwohl der Suchverkehr schneller als erwartet zurückging. Abonnements und andere Geschäftsbereiche trugen dazu bei. Die Bruttomargen stiegen in den letzten zwei bis drei Jahren um etwa drei Prozentpunkte, während die Betriebskosten „relativ stabil“ blieben. Das Gewinnwachstum ist nicht auf Entlassungen zurückzuführen, sondern vielmehr auf strukturelle Veränderungen.
Der Großteil des Umsatzes stammt mittlerweile aus dem digitalen Bereich. Für einen Verlag, der jahrzehntelang von Hochglanzmagazinen und Taschenbüchern gelebt hat, ist das nicht nur eine Änderung des Geschäftsmodells – es ist ein Wandel der DNA. Lynch selbst bezeichnet die letzten fünf Jahre als einen „kulturellen Wendepunkt“.
Während einige Publikationen fusionierten oder eingestellt wurden, konnten andere ihre Marktposition stärken. Die sieben größten Marken von Condé Nast – Vogue, GQ, The New Yorker, Wired, Vanity Fair, Architectural Digest und Condé Nast Traveler – erwirtschaften 85 % des Unternehmensumsatzes. The New Yorker erzielte 2024 Rekordwerte bei Umsatz, Gewinn und Abonnentenzahlen.
Wir haben eine Vereinbarung mit OpenAI getroffen. Mit Google haben wir keine Vereinbarung getroffen.
Condé Nast hat Lizenzvereinbarungen mit OpenAI und Amazon abgeschlossen. Mit Google besteht noch keine Einigung. Lynch kritisierte das seiner Meinung nach „fehlerhafte“ System: Um zu verhindern, dass Inhalte zum Trainieren von KI-Zusammenfassungen verwendet werden, müssen Verlage der Indexierung widersprechen – und damit faktisch aus den Suchergebnissen verschwinden. Das bedeutet, dass Google Inhalte automatisch sammelt, ohne um Erlaubnis zu fragen.
Condé Nast erfindet sich neu in einem Umfeld, in dem das alte Traffic-Modell nicht mehr funktioniert. Das Unternehmen setzt auf Abonnements, starke Marken und Unabhängigkeit – und bisher scheint sich diese Strategie, gemessen an den Finanzergebnissen, auszuzahlen.
