Jerome Powell hält möglicherweise seine letzte Rede, doch die Bedeutung der Situation bleibt unverändert.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) beließ die Leitzinsen nach ihrer Sitzung im April unverändert bei 3,5 % bis 3,75 % – im Einklang mit den Markterwartungen. Dies war die dritte Sitzung in Folge mit unverändertem Leitzins.
Die Märkte wussten die vor der Entscheidung getroffene Entscheidung vollauf zu schätzen. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve stimmte mit 8 zu 4 Stimmen für eine Beibehaltung der Zinsen – die höchste Anzahl negativer Stimmen seit Oktober 1992.
Ein Beamter, Stephen Miran, befürwortete eine Senkung um 25 Basispunkte. Beth Hammack, Neel Kashkari und Laurie Logan sprachen sich für das Beibehalten des Zinssatzes aus, lehnten jedoch Formulierungen ab, die weiterhin auf eine mögliche zukünftige Lockerung hindeuteten.
Inflation und Ölpreise setzen die US-Notenbank unter Druck.
Die US-Notenbank Federal Reserve erklärte, die Inflation sei weiterhin hoch, unter anderem aufgrund steigender globaler Energiepreise. Nach dem Krieg mit dem Iran sind die Ölpreise stark angestiegen.
Brent-Rohöl verteuerte sich um mehr als 6 % und schloss bei 118,03 US-Dollar pro Barrel. Nach dem Schlusskurs erreichte es kurzzeitig 120,27 US-Dollar – den höchsten Stand seit 2022. WTI-Rohöl legte um fast 7 % auf 106,88 US-Dollar pro Barrel zu und schloss damit erstmals seit drei Wochen wieder über 100 US-Dollar.
Vorsitzender Jerome Powell sagte, die wirtschaftlichen Aussichten seien weiterhin sehr unsicher und der Konflikt im Nahen Osten habe diese Unsicherheit noch verstärkt.
Die Anleihemärkte reagierten dagegen schnell: Die Renditen von Staatsanleihen stiegen, da die Händler ihre Erwartungen an kurzfristige Zinssenkungen reduzierten und höhere, längerfristige Zinssätze forderten.
Powell wird voraussichtlich seine letzte Pressekonferenz als Vorsitzender abhalten
Powells Amtszeit als Fed-Chef endet am 15. Mai. Seine Pressekonferenz nach der Sitzung am Mittwoch war sein letzter geplanter Auftritt vor Journalisten als Vorsitzender.
Er könnte bis Januar 2028 im Aufsichtsrat bleiben, obwohl ehemalige Vorsitzende nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt selten im Amt bleiben.
Kevin Warsh, der von Präsident Donald Trump als Nachfolger von Powell nominierte Kandidat, hat den Bankenausschuss des Senats passiert und wird nun dem gesamten Senat zur Abstimmung vorgelegt.
Powells Vermächtnis: Späte Märsche, sanfte Landungen
Powells Amtszeit als Vorsitzender war von zwei bedeutenden Herausforderungen geprägt. Als COVID-19 ausbrach, senkte die Fed die Zinsen auf null und legte Notfallkreditprogramme auf, um ein Einfrieren der Kreditmärkte zu verhindern.
Die US-Notenbank wurde später dafür kritisiert, die Zinserhöhungen trotz stark steigender Inflation bis März 2022 hinauszuzögern. Kritiker merkten an, dass die Verzögerung eine spätere, aggressivere Straffung der Geldpolitik erzwang. Die erwartete Rezession blieb jedoch aus.
Die Inflation kühlte sich ab, ohne dass es zu einer tiefen Rezession kam, was Powell eine jener seltenen sanften Landungen bescherte, die Zentralbanken oft nicht erreichen. Auf die Frage nach seinem Vermächtnis wiegelte Powell kürzlich ab und sagte, das sei Sache anderer.
Siehe auch: Unabhängigkeit der US-Notenbank im Fokus – Kevin Warsh muss sich den Fragen der Abgeordneten stellen
